Thomas Schwarz Fotografie

Japan Logbuch Tag 04 – Der Workshop beginnt

Montag 28.01.2013:

Früh am Morgen aufgestanden, das Gerötel wieder gepackt, kurz gefrühstückt und in der Lobby beim Auschecken die anderen Wartenden getroffen. Hier lernten wir nun auch Jukiku, unsere Tour-Operaterin kennen, die uns die nächsten 12 Tage begleiteten sollte.

Als die vielen Koffer im Bus verstaut waren und wir unsere Plätze im Bus eingenommen hatten, gings endlich Richtung Präfektur Nagano zu den Snow Monkeys (Japan Makaken). Auf halber Strecke wurde dann noch nen kurzer Boxenstopp für nen Kaffee und um die Beine zu vertreten eingelegt …

… und dann kurz vorm Snow Monkey Park Rast zum Essen … und nun gings los … traditionelle japanische Kost in vielen Schälchen verteilt, einen Kocher und  … Stäbchen!!!! Ja, ganau …

Ich beobachtete erst mal die Anderen, wie sie hier vorgingen, denn da war ich ja mal völlig überfordert mit den beiden Holzstäbchen *lach* Es gab zwar auch Besteck, aber es wollte sich keiner die Blöße geben … ich auch nicht (da ich das Besteck erst nach dem Essen entdeckte)! Nunja, aller Anfang ist schwer, das wird schon noch, sagte ich zu meinem australischen Gegenüber am Tisch, der nun hin und wieder mit Essen von mir beschossen wurde, weil die Stäbchen das Zeugs einfach nicht festhalten wollten! Da musste ich und hauptsächlich die Anderen nun durch dachte ich und verließ dann nach dem Essen ein wenig hungrig das Restaurant *fg*. Zum Glück hatte ich noch den einen und anderen Müsliriegel für solche Fälle dabei!

Wir fuhren direkt zum Snow Monkey Park weiter, schulterten dann am Eingang unsere Fotorucksäcke auf und mussten noch ca. 1.6km durch den verschneiten und rutschigen Waldweg stapfen, bis wir die ersten Primaten zu Gesicht bekamen. Ein paar hatten sogar Spikes unter die Schuhe geklemmt (nein, nicht die Primaten sondern die Workshopteilnehmer) … ich nicht, bin doch kein Weichei … naja, dafür bin ich ab und an ziemlich durch die Gegend gerutscht.

In den nächsten 3 Nachmittagstunden machte ich ca. 1700 Fotos, was den Spiegel der Spiegelreflex schon langsam zum Glühen brachte, denn man wollte ja nichts verpassen … hmmm, was soll man denn da die nächsten 1,5 Tage von den Snow Monkeys noch fotografieren? Als Chris mal mit seiner Kamera einem Snow Monkey etwas zu nahe kam, reagierte dieser auch ziemlich forsch, holte mit seiner Hand aus und traf zum Glück nur die Gegenlichtblende des Objektivs 😉 Auch sollte man seinen Rucksack nicht unbeobachtet herumstehen lassen und schon gar nicht im Rucksack rumkramen und Süßigkeiten herausholen, denn die Affen stehen auf sowas … wieder ein Beweis, dass der Mensch vom Affen abstammt 😉

Nach den ersten affigen Erlebnissen ging es dann ins Hotel Kokuya nach Shibuonsen, ein sehr traditionelles schönes kleines Hotel in dem wir alle Zimmer belegten. Das Gepäck hatte der Busfahrer während unserem ersten affigen Erlebnis schon ins Hotel gebracht. Am Eingang des Hotels mussten wir erst mal die Schuhe ausziehen und bekamen Hausschlappen (bzw. -schläppchen) in gefühlter Größe 34 (was bei einer Schuhgröße von 43 etwas witzig aussah und auf der Treppe auch nicht ganz ungefährlich ist).

Jeder bekam sein Zimmer zugeteilt (mein Zimmer hörte auf den Namen Yuri) und eine Dame in traditioneller Kleidung führte mich zu meinem Zimmer. Im Vorraum des Zimmers wieder Schläppchen ausziehen, dann Schiebetür auf. Sie erklärte mir in gepflegtem Japanisch, wo hier im Zimmer alles ist und wie alles funktioniert. Hab ich mir zumindest gedacht, weil verstanden habe ich natürlich nix  😉 Egal, ich nickte fleißig, haute ein paar “Arrigatos (Danke)” raus, verbeugte mich als sie mich alleine ließ und machte mich selbst mit meinem Zimmer vertraut … auf dem Zimmerthermometer wurden 29 Grad angezeigt, ok, das war etwas zu heiß für meinen Geschmack und ich regelte erst mal die Klimaanlage etwas runter, damit ich mir die Luftröhre nicht verbrannte und ich normal atmen konnte.

Es gab nen Flachbild-TV, nen kleinen Tresor, ein Waschbecken, einen niedrigen Tisch in der Mitte des Raumes mit Heizdecke (bei 29° ?!?!) für die Füße und ein WC (mit Extraschläppchen in Größe 34) und einen kleinen Schrank gefüllt mit einem Yukata inkl. Zubehör. Ein Bett hatte ich im Zimmer noch nicht gefunden … na das konnte ja heiter werden, stell ich mich halt heute Nacht zum Schlafen in den Schrank oder so … Auf dem Tisch lag ein Prospekt indem die 9 verschiedenen heiße Quellen (5 Indoor und 4 Outdoor) des Hotels beschrieben wurden. Auch die im Dorf verteilten öffentlichen Onsen (Bäder) durften benutzt werden, dazu gab es auf jedem Zimmer auch nen kleinen Schlüssel, mit riesen Holzanhänger, mit dem man jemanden hätte erschlagen können.

Um 19 Uhr gabs Essen, so zog ich meinen Yukata an und schlappte vorsichtig in meinen Schläppchen Größe 34 nach unten zu unserem Esszimmer, in der Hoffnung, nicht der Einzige mit sonem Yukata zu sein. Aber tatsächlich waren fast alle in diesem Gewand gekleidet, ha wie cool!

Das traditionelle Essen ist klasse! Zuerst denkt man “was so wenig? Das ist ja für den hohlen Zahn!!”, aber da während dem Essen immer mehr Schüsselchen dazukommen, macht das im Endeffekt doch sehr sehr satt Die üblichen japanischen Getränke, wie Wasser und grüner Tee waren inklusive und wurden immer wieder nachgeschenkt, alles andere, wie Bier, Wein oder Sake, musste man dann am Ende beim Auschecken bezahlen.

Nachdem ich es diesmal schon schaffte niemanden mit den Stäbchen während dem Essen zu verletzen und zu beschießen (ja, es klappte schon ein wenig besser) ging ich wieder ins Zimmer zurück und anstatt des Tisches in der Mitte des Raumes war nun ein Bett auf dem Boden gemacht, yeah adieu Schrank … war zwar etwas hart, aber hey, ich war bei der Bundeswehr und habe im Winter ne knappe Woche in sonem kleinen Hundehüttenzelt für eine Person gepennt!

Nun noch ein wenig die vielen Affenfotos aufs Lappi und die mitgebrachten Backupplatten übertragen, ein paar Fotos gesichtet und dann gings in die Horizontale …